Was ist Chinesische Medizin?
Die Chinesische Medizin hat die jahrtausendalte Auffassung, dass jeder Organismus von der Lebensenergie Qi
durchströmt wird. Ist das harmonische Fliessen gestört, treten Erkrankungen auf. Was bedeutet Gesundheit/Erkrankung?
Das Qi fließt beim Menschen hauptsächlich in 14 Bahnen, den Meridianen, durch den Körper. Diese sind keine
anatomischen Strukturen, sondern energetische Kanäle. Auf den Meridianen, die mit den Organsystemen des Körpers
verbunden sind, liegen bestimmte Punkte, deren Stimulation den Fluss des Qi wieder harmonisiert.
Analysiert die westliche Medizin in erster Linie die einzelnen Teile des menschlichen Körpers und erst in zweiter Linie
deren Zusammenspiel, so macht es die Chinesische Medizin umgekehrt. Sie fußt auf den Theorien von den "Fünf-
Wandlungsphasen" und der "Yin-Yang"-Polarität, nach der alle Elemente der Natur miteinander verbunden sind und sich
gegenseitig beeinflussen.
Yin und Yang
Die ursprüngliche Bedeutung von Yin ist die Schattenseite, von Yang die sonnenbeschienene Seite eines Berges. Dieses
Begriffspaar ist die Basis für das Verständnis der Chinesischen Medizin. Yin und Yang sind gegensätzlich, schliessen
einander aus; zugleich bringen sie einander hervor. Das alles symbolisiert das Zeichen TaiJi, die Monade:

Das eine erzeugt das andere, das eine gibt es nicht ohne das andere. Und weder Yin noch Yang ist statisch, sondern
verwandelt sich beständig in das andere. Leben bedeutet Wechsel und Wandel, und diese stetige Veränderung ist das einzig Beständige. Im Yin ist immer auch das Yang enthalten und umgekehrt, was durch die
gegensinnigen Punkte symbolisiert wird. Im Uhrzeigersinn steigt das Yang aus dem Yin auf, nimmt zu, während Yin
abnimmt bis zum Gleichgewicht am höchsten Punkt. Ab da nimmt das Yang beständig ab, das Yin nimmt zu, bis zum
tiefsten Punkt.
Yang verkörpert das männliche Prinzip der Aktivität, (Über-)Funktion, Expansion, das Äussere, den Himmel, Wärme und
Sonne, sowie den Geist, das Leichtflüchtige, Nicht-Greifbare.
Yin symbolisiert das weibliche Prinzip der Empfänglichkeit, Aufnahmebereitschaft, Passivität, Nach-innen-Gekehrtsein,
Erde, Kälte und den Mond, sowie die Materie, Substanz, das Schwere, Körperliche.
Auch aus diesen Begriffspaaren wird deutlich, dass Yin und Yang untrennbar verbunden sind:
ohne Substanz keine
Funktion, ohne Körper kein Geist, ohne Atom keine Lichtwelle...
Solange die beständige Wandlung beider gewährleistet ist, bleibt die Natur in Balance. Krankheit entsteht, wenn die
Wandlung unterbrochen wird, ins Stocken gerät. Anhand der Symptome kann der Therapeut erkennen, welche der
beiden Phasen im Ungleichgewicht ist, z.B. sind Entzündungen mit Hitze, Fieber, Druckempfindlichkeit und Schmerz
Anzeichen einer Yang-Ansammlung. Oder so kann eine Erkältung mit Kälteschauern, Zittern, Schwäche und wässrig laufender
Nase als Yin-Fülle angesehen werden.

Fünf Wandlungsphasen
Die alten Chinesen waren ein sehr naturverbundeses Volk, das seine Weisheit und seine heute noch gültigen
Erkenntnisse aus der Beobachtung der Natur und der Entdeckung ihrer Gesetzmässigkeiten abgeleitet hat. Die
Philosophie des Daoismus und Naturalismus suchen Wege, wie der Mensch am Besten im Einklang mit den Gesetzen
der Natur leben kann (heute mehr denn je ein Thema!). Das Dao ist die Art, wie das Universum funktioniert, der Weg des
Lebens.
"Das höchste Dao ist nicht fassbar, seine Wandlungen und Transformationen sind ewig und ohne Ende" (Su Wen)
Beobachtet
man diese unendlichen Veränderungen, dann erkennt man, dass die Einheit des Dao zerfällt in Yin und Yang und die 5
Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Der chinesische Begriff für Element meint eigentlich "Bewegung,
Wandlung", so dass Wandlungsphasen eine bessere übersetzung hierfür ist. Dieser Wandel erst erschafft das Leben,
endet der Wandel, endet auch das Leben.
Die Daoisten unterscheiden nicht zwischen der Natur der Jahresablaufs, dem mit den Jahreszeiten verbundenen Klimata
und den zyklischen Wechseln, die in der Welt der Menschen, in Flora und Fauna geschehen. Die Pflanzen lehren uns
die verschiedenen Qualitäten einer jeden Wachstumsphase im grossen Kreislauf des Lebens von Wachstum, Blütezeit,
Reife, Zerfall und Speicherung. Diese Naturgesetze beschreiben als Modell genausogut alle anderen Bereiche des
Lebens, z.B. Handel. Politik, Medizin.
"Der Mensch hat keine andere Wahl, als diesem Ablauf der Natur zu folgen; Funktionären bleibt nur, im Einklang mit
diesen Kräften zu arbeiten. Dazu dienen die Gesetze des Himmels." (Tung Chung-shu, -135)
Diese Resonanz auf den Lauf der Natur zeigt sich in verschiedensten Eigenschaften, durch die verstanden werden kann,
wie sich die Wandlungsphasen in den Menschen auswirken: so wie sich der Frühling in der Natur auswirkt, so spielt er
auch die selbe Rolle im Leben, z.B. werden wir wieder aktiver, denken wir auch an die Frühlingsgefühle und den
Valentinstag zum Frühlingsbeginn.
"Der Himmel hat 5 Jahreszeiten und 5 Wandlungsphasen, um den Wachstumszyklus zu durchlaufen, von der Hervorbringung über das Wachstum zur Ernte, die gespeichert wird;
so werden Kälte, Hitze, Trockenheit, Feuchtigkeit und Wind erzeugt. Der Mensch hat 5 Zang (-Organe) und durch
Transformation werden die 5 Arten des Qi hervorgebracht, die sich in Begeisterung, Ärger, Traurigkeit, Kummer und Angst ausdrücken." (Su Wen, Kap. 5)
Der zyklische Wandel der 5 Phasen von einer zur nächsten wird durch den Hervorbringungszyklus im Uhrzeigersinn
dargestellt:
- Holz verbrennt zu Feuer
- Feuer nährt die Erde durch seine Asche
- Erde erzeugt Metall durch "Versteinerung" (Erzbildung im Herzen der Erde)
- Metall erzeugt Wasser (durch Aufnahme und Bindung in Mineralien)
- Wasser nährt das Holz
Dies wird auch als Mutter-Kind-Gesetz bezeichnet, z.B. die Mutter Wasser nährt ihr Kind Holz. Jede Phase ist darauf
angewiesen von der vorigen genährt zu werden, diese ist die Hauptquelle ihrer Energie. Kann eine Phase sich nicht
ausreichend weiterwandeln, bekommt das Kind, die nachfolgende Phase zuwenig Qi und kann sich nicht angemessen
entwickeln. Dies wirkt sich in der Folge auch auf die nachfolgenden Phasen aus.
Damit nicht sofort das ganze System zusammenbricht, hat die Natur durch ein weiters Gesetz gesorgt, den
Kontrollzyklus:
- Feuer kontrolliert Metall durch Erwärmung,
die es geschmeidig macht oder schmilzt
- Metall kontrolliert Holz durch Schnitt und Rodung
- Erde kontrolliert Wasser durch Dämme und Flussbetten
- Wasser kontrolliert Feuer durch Kühlung und Erlöschen
Diese beiden Zyklen sind nur die beiden wichtigsten, die helfen, die Grundprinzipien zu verstehen. Es gibt noch mehr
Vernetzungen, die helfen, das System zu stabilisieren, damit das Qi frei fliessen kann und die Phasen reibungslos
ineinander übergehen können.

Was hat das alles mit Ihrer Gesundheit zu tun?
So wie die Energie in der Natur fliesst und sich alles auseinander entwickelt, muss das Qi auch im menschlichen Leben
frei fliessen können, durch unseren Körper, in unseren Beziehungen, in unserer geistigen Entwicklung. Kommt es zu
Störungen im Qi-Fluss kann die nachfolgende Phase nicht ausreichend erzeugt werden, es entsteht eine Imbalance. Wird
diese schliesslich so stark, dass die Kontrollmechanismen diese nicht mehr alleine beseitigen können, kommt es erst zu
Alarmzeichen und Notsignalen, und schliesslich zu Symptomen und Krankheit.
So wie sich die Jahreszeiten den 5 Phasen zuordnen lassen, können auch andere Assoziationen verknüpft werden:
Holz |
Feuer |
Erde |
Metall |
Wasser |
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Beginn ca.
18.-20. Feb. |
Beginn ca.
20.-22. Mai |
14 Tage jeweils
zw. den Phasen,
und im Spätsommer |
Beginn ca.
22.-24. Aug. |
Beginn ca.
22.-23. Nov. |
Ärger, Zorn |
Hass,
Unaufrichtigkeit |
Traurigkeit,
Zweifel, Schuld |
Kummer,
Kritiksucht,
Verurteilung |
Angst,
Rastlosigkeit,
Verachtung |
klare Ausrichtung
und Antrieb
der Lebenskraft |
Herzensbeziehungen
mit Charisma und
Achtsamkeit,
Begeisterung |
tiefes Vertrauen
Einfühlungsvermögen |
Gerechtigkeit,
Klarheit,
Aus-Strahlung |
Nachgiebigkeit,
Harmonie |
Wachstumsfunktionen,
Reifeprozesse,
Kontrollprozesse,
Entscheidungsfähigkeit |
geistige Entwicklung,
Bewusstsein,
Kommunikation,
Selbstkontrolle,
Abgrenzung, Kontakt,
Temperaturregulation |
Aufnahme,
Verdauung,
Verarbeiten,
Assimilation
auf allen Ebenen |
Aufnahme und
Ausscheidung,
Immunsystem |
Wurzel des Lebens,
Vererbung,
Substanz,
Kühlsystem,
Flüssigkeitsstoffwechsel |
Leber = Stratege
Gallenblase = Feldwebel
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Herz = Kaiser
Pericard = Bodyguard
Dünndarm = Scheider von Reinem/Unreinem
SanJiao = Heizungsingenieur |
Magen = Handelsminister
Milz = Innenminister
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Lunge = Aussenminister
Dickdarm = Müllabfuhr
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Nieren = Ministerin für Vitalität und Familie
Blase = Transportminister
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Ein Therapeut, der die chinesische Diagnostik gut beherrscht, kann die Zusammenhänge zwischen Signalen und
Symptomen und der eigentlichen Krankheitsursache erkennen und behandeln. Dabei helfen diese Assoziationen dabei
herauszufinden, wo im Organismus die Störung liegt, welche Funktionen, Organe und Körperstrukturen beteiligt sind,
aber v.a., wo die Störung ihren Anfang genommen hat. Vielleicht schreit ja nur das Kind, z.B. die Phase Holz mit
Symptomen, weil die Mutter, das Wasser, zu schwach ist, um das Kind zu nähren? Was bringt es dann, immer wieder
das Kind zu behandeln? Sinnvoller wäre, die Mutter zu stärken, damit sie ihr Kind wieder selbst nähren kann...
Es ist hierbei wie beim Entwirren eines komplexen Knotens, entweder man kämpft sich mühsam durch das Wirrwarr oder
man sucht sich das freie Ende und löst von dort ausgehend relativ schnell und elegant den Knoten auf!
Ist die Ursache erkannt, kann die Wandlungsphase, die zuerst im Ungleichgewicht war, über die ihr zugeordneten
Leitbahnen behandelt werden, z.B. zeigt die Phase Erde oft Verdauungsbeschwerden, die dann über die Leitbahnen von
Magen und Milz behandelt werden können (aber Achtung, nicht jede Verdauungsstörung hat ihre Ursache in der Erde!).
Jeder Mensch hat eine angeborene Konstitution mit seinen individuellen Stärken und Schwächen, die sich sowohl
körperlich als auch psychisch zeigen. Und kommt das energetische System ins Straucheln, dann wird sich eine
Erkrankung am ehesten dort zeigen, wo der persönliche Schwachpunkt liegt. Daher werden in der Chin. Medizin
Patienten mit der gleichen Erkrankung nicht gleich behandelt, sondern gemäss ihrer individuellen Bedürfnisse.
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